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Gleichstrommaschine
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Eine Gleichstrommaschine, auch Gleichstrommotor, Kommutatormotor oder Kommutatormaschine, selten auch Gleichfeldmaschine, ist eine rotierende elektrische Maschine, die mit Gleichstrom betrieben wird oder Gleichstrom erzeugt. Je nach Richtung des Leistungsflusses wird zwischen dem Gleichstrommotor (ein Elektromotor, dem elektrische Energie zugefĂŒhrt und mechanische Energie entnommen wird) und dem Gleichstromgenerator (ein elektrischer Generator, dem mechanische Energie zugefĂŒhrt und elektrische Energie entnommen wird) unterschieden. Gleichstrommaschinen können unter Belastung anlaufen, und ihre Drehzahl ist leicht zu verĂ€ndern.
Merkmal der klassischen Gleichstrommaschinen ist ein als Kommutator oder Polwender bezeichneter mechanischer Wechselrichter.cite-ref-ec-1-0[1] Mit dessen Hilfe wird im Motorbetrieb im Rotor ein drehzahlabhÀngiger Wechselstrom erzeugt. Im Generatorbetrieb wandelt er die vom Rotor gelieferte Wechselspannung in eine pulsierende Gleichspannung um.
Es gibt auch AnwendungsfÀlle, in denen dieselbe Gleichstrommaschine zeitweise als Motor und zeitweise als Generator benutzt wird.
Eine Sonderform ist die Unipolarmaschine, mit der Gleichstrom ohne Verwendung eines Kommutators erzeugt werden kann.
Contents
âą Geschichte
âą Aufbau
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geschichte
BegĂŒnstigt durch die Entwicklung der ersten galvanischen Elemente in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts, waren die ersten elektromechanischen Energiewandler Gleichstrommaschinen. Die Urform eines Elektromotors wurde 1829 von Ănyos Jedlik entworfen. Im Jahr 1832 baute der Franzose Hippolyte Pixii den ersten Gleichstromgenerator. Antonio Pacinotti baute um 1860 einen Gleichstrommotor mit vielteiligem Kommutator. Friedrich von Hefner-Alteneck entwickelte 1872 den Trommelanker, welcher mit den Arbeiten von Werner von Siemens zu dem dynamoelektrischen Prinzip die Möglichkeit der Selbsterregung und den industriellen Einsatz im Bereich des GroĂmaschinenbaus eröffnete.cite-ref-fis1-2-0[2]
In den folgenden Jahrzehnten verlor die Gleichstrommaschine, bedingt durch die Entwicklung des Dreiphasenwechselstroms, im GroĂmaschinenbau an Bedeutung. Insbesondere die Synchronmaschinen und fĂŒr wartungsarme Antriebssysteme der Asynchronmotor lösten die Gleichstrommaschine in vielen Anwendungsbereichen ab. Die Gleichstrommaschine mit Fremderregung lĂ€sst sich gut regeln, denn die Ströme durch Anker- und Statorwicklung lassen sich getrennt steuern. Die Gleichstrommaschine hat daher insbesondere im Bereich hochdynamischer Antriebssysteme eine gewisse Bedeutung behalten, beispielsweise zum Antrieb von Werkzeugmaschinen mit prĂ€ziser Drehzahl- und Drehmomentsteuerung. Im Kleinstleistungsbereich, beispielsweise bei Modellbahnen, ist vor allem der permanenterregte Gleichstrommotor des einfachen Aufbaues wegen ĂŒblich.
Aufbau
Die Maschine hat einen unbeweglichen Teil, den Stator. Er besteht aus einem Joch in Form eines Hohlzylinders. Daran befestigt sind die Hauptpole und bei gröĂeren Maschinen auch Wendepole. Der Stator ist nicht geblecht, sondern besteht aus massivem Material, da hier kein magnetisches Wechselfeld wirkt und somit keine Wirbelströme auftreten. Der Hauptpolkern trĂ€gt entweder die Hauptpol- oder Erregerwicklung, oder Permanentmagnete erzeugen den nötigen Hauptpolfluss (permanenterregte Maschine). In den Polschuhen sitzt bei gröĂeren Maschinen die Kompensationswicklung.
Der drehbar gelagerte Teil der Gleichstrommaschine heiĂt Rotor oder bei konventionellen Maschinen auch Anker. Der Rotor ist geblecht ausgefĂŒhrt, da sonst durch die auftretenden Ummagnetisierungen groĂe Wirbelstromverluste auftreten wĂŒrden. Die meisten Gleichstrommaschinen sind als InnenlĂ€ufer ausgefĂŒhrt: Der Rotor ist der innere Teil, der Stator der Ă€uĂere. Bei AuĂenlĂ€ufern ist es umgekehrt.
Eine oder mehrere Spulen auf dem Anker werden in einem magnetischen Feld des Stators so platziert, dass die Lorentzkraft und teils auch die Reluktanzkraft ein Drehmoment erzeugt. Die Wicklungen des Ankers werden hierzu ĂŒber einen Kommutator (Polwender) angeschlossen. Die Schleifkontakte am Kommutator (MetallbĂŒrsten oder KohleâbĂŒrstenâ) wechseln wĂ€hrend der Drehung die Polung der Ankerwicklungen so, dass immer diejenigen Wicklungen von Strom entsprechender Richtung durchflossen werden, die sich quer zum Erregerfeld bewegen. An den BĂŒrsten ist eine pulsierende Gleichspannung abgreifbar. Durch mehrere rĂ€umlich versetzte Windungsschleifen (Wicklungen) erhĂ€lt man eine GlĂ€ttung des Spannungsverlaufs.
Die BĂŒrsten bestehen aus einem Material, das eine verschleiĂarme gute Kontaktierung bietet (oft selbstschmierender Graphit, teilweise gemischt mit Kupferpulver (siehe KohlebĂŒrste); bei kleinen Motoren, etwa fĂŒr KassettentonbandgerĂ€te, auch Edelmetall-BĂŒrsten).
Durch Umkehrung des Prinzips (der Anker wird von auĂen bewegt) erhĂ€lt man einen Generator. Zur Stromerzeugung werden fast nur permanent- oder fremderregte Bauweisen benutzt. Der Kommutator wandelt den erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom.
Das allgemeine Motorverhalten wird durch die FeldstÀrke der Feldwicklung und die Eigenschaften der Ankerwicklung (Windungszahl, Anzahl der Pole) bestimmt.
Permanenterregte Gleichstrommaschine
Das Stator-Magnetfeld wird bei kleineren Motoren (Spielzeug, Stellantriebe, GeblĂ€se und KĂŒhler-Ventilatoren in Kraftfahrzeugen, Elektroantrieb an FahrrĂ€dern) ĂŒber einen Permanentmagneten und nicht elektrisch ĂŒber eine Spule erregtcite-ref-3[3]. Diese Magnete sind mit der Entwicklung der Gleichstrommotoren immer leistungsfĂ€higer geworden und wĂŒrden auch den Bau gröĂerer Motoren gestatten. Die Kosten groĂer Permanentmagnete wĂ€ren jedoch höher als die der Erregerwicklung.
Permanenterregte Motoren haben, wie auch fremderregte Maschinen, sehr hohe Einschaltströme. Ihr Betriebsverhalten ist im Abschnitt Physikalisches Modell erklÀrt. Permanenterregte Maschinen haben den Vorteil, dass zur Erzeugung des Magnetfeldes keine Energie benötigt wird. Das verbessert besonders bei kleiner Gesamtleistung den Wirkungsgrad. Nachteil ist, dass das Feld nicht geschwÀcht und somit die Drehzahl weniger variiert werden kann.
Elektrisch erregte Gleichstrommaschine
Wird das Statorfeld durch einen Elektromagneten erzeugt, spricht man von elektrischer Erregung. Ist die Erregerwicklung vom Ankerstromkreis unabhÀngig, spricht man von Fremderregung. Sind die Rotor- und Statorwicklung miteinander verbunden, unterscheidet man:
Reihenschlussmaschine
Bei der Reihenschlussmaschine (auch Hauptschlussmaschine genannt) sind Anker- und Erregerwicklung in Reihe geschaltet. Die Erregerwicklung muss niederohmig sein. Bei einer Speisung mit Wechselspannung wechseln sowohl das Erregerfeld als auch der Ankerstrom die Richtung nach jeder Halbwelle, sodass das resultierende Drehmoment auch bei Umkehr der Stromrichtung weiterhin in die gleiche Richtung wirkt. Daher kann ein Reihenschlussmotor auch mit Wechselstrom betrieben werden. Der Eisenkern des Stators muss in diesem Fall ein Blechpaket sein, damit Wirbelströme vermieden werden.
Mit einphasigem Wechselstrom betriebene Motoren (Einphasen-Reihenschlussmotoren) sind in Ă€lteren Elektrolokomotiven (daher der Frequenzkompromiss 16,7 Hz im Bahnstromnetz) sowie in StraĂenbahn-Triebwagen zu finden. Sie befinden sich auch unter dem Begriff Universalmotor oder Allstrommotor in vielen Haushaltsmaschinen (Staubsauger, KĂŒchenmaschinen) und Elektro-HandgerĂ€ten (Bohrmaschinen). Die Anlasser groĂer Verbrennungsmotoren (beispielsweise in LKW) sind Reihenschlussmotoren.
Um einen Reihenschlussmotor als Generator (z. B. beim elektrischen Bremsen von StraĂenbahnen) betreiben zu können, muss seine Erregerwicklung umgepolt werden, denn sonst hebt der generierte, durch die Feldwicklung flieĂende Strom das Erregerfeld auf.
Das Drehmoment einer Reihenschlussmaschine ist stark drehzahlabhĂ€ngig (Reihenschlussverhalten). Bei geringer Drehzahl ist die Gegeninduktionsspannung der Ankerwicklung gering. Daher flieĂt ein groĂer Strom durch Anker und Erregerwicklung, und es kann ein groĂes Drehmoment aufgebracht werden. Mit der Drehzahl steigt die Gegeninduktionsspannung. Strom und Erregung sinken und damit auch das Drehmoment der Maschine.
Reihenschlussmotoren haben, insbesondere bei Wechselspannungsbetrieb (âUniversalmotorâ, z. B. in Staubsaugern), dennoch einen wesentlich geringeren Einschaltstrom als Nebenschluss- oder permanenterregte Motoren. Sie liefern dennoch kurzzeitig ein sehr hohes Anlaufmoment, weswegen sie in Anlassern, StraĂenbahnfahrzeugen und Elektrolokomotiven, wo sie im Kurzbetrieb extrem ĂŒberlastbar sind, verwendet werden.
Bei Betrieb mit Wechselstrom ist das Drehmoment mit doppelter Netzfrequenz pulsierend, so dass bei groĂen Motoren ausgleichende Elemente zwischengeschaltet werden mĂŒssen. Das gilt auch fĂŒr Einphasen-Synchronmaschinen.
Die AnschlĂŒsse des Ankers werden mit A1 und A2 bezeichnet, die der Erregerwicklung mit D1 und D2. Bei der dargestellten Schaltung dreht der Motor im Uhrzeigersinn, erkennbar am eingezeichneten Pfeil im Anker.
Nebenschlussmaschine
Bei der Nebenschlussmaschine sind Erreger- und Ankerwicklung parallelgeschaltet. Der Erregerstrom wird nur durch den ohmschen Widerstand der Erregerwicklung, die eine hohe Windungszahl und InduktivitĂ€t hat, begrenzt. Ein Wechselspannungsbetrieb ist nicht möglich, da der Erreger- dem Ankerstrom weit nacheilen wĂŒrde. Die Drehzahl groĂer Nebenschlussmaschinen ist nahezu unabhĂ€ngig vom Drehmoment, weshalb sie sich besonders fĂŒr Anwendungen eignet, bei denen das Lastmoment schwankt, die Drehzahl aber möglichst konstant sein soll, z. B. bei FörderbĂ€ndern und Hebezeugen, bei denen auch Asynchronmotoren benutzt werden.
Nebenschlussmotoren können bei Unterbrechung des Erregerkreises durchgehen, da Drehzahl und Stromaufnahme beim Abklingen des Erregerfeldes drastisch ansteigen.
Nebenschlussmotoren können als Generator (z. B. zur Bremsung) arbeiten, wenn eine Hilfsspannungsquelle oder eine Restmagnetisierung dafĂŒr sorgen, dass beim Start des Bremsvorganges eine Erregung vorhanden ist. Mit steigender Erregung oder Drehzahl steigt auch die generierte Spannung â es ist die Spannung, die auch bei Motorbetrieb dem speisenden Strom entgegenwirkt und fĂŒr eine konstante Drehzahl sorgt. Sie wird daher auch Gegenspannung genannt. Der Anstieg der Gegenspannung mit der Erregung, also bei Nebenschlussmotoren mit der Versorgungsspannung, bewirkt, dass ihre Drehzahl wenig von der Spannung abhĂ€ngt, solange keine magnetische SĂ€ttigung eintritt. Mit sinkender Spannung sinkt auch die Drehzahlsteifigkeit. Bei einem fremderregten Gleichstrommotor mit unabhĂ€ngig versorgtem, konstantem Erregerfeld ist dagegen die Leerlaufdrehzahl proportional zur Ankerspannung.
Die AnschlĂŒsse des Ankers werden mit A1 und A2 bezeichnet, die der Erregerwicklung mit E1 und E2. In der dargestellten Beschaltung dreht der Motor rechtsherum (im Uhrzeigersinn), erkennbar am eingezeichneten Pfeil im Anker.
Das maximal erreichbare Drehmoment wird durch den zulĂ€ssigen Ankerstrom begrenzt, dieser ist hauptsĂ€chlich von den getroffenen KĂŒhlmaĂnahmen abhĂ€ngig. GroĂe Nebenschlussmaschinen in Walzwerken werden fremdbelĂŒftet, um auch bei geringer Drehzahl einen hohen Ankerstrom und damit ein hohes Drehmoment zu ermöglichen.
Wird an eine Nebenschlussmaschine plötzlich ihre Nennbetriebsspannung gelegt, flieĂt durch den Anker ein sehr hoher Einschaltstrom, der Schutzschaltungen auslösen kann. GroĂe Maschinen mĂŒssen daher mit geringerer Spannung angefahren werden. Dadurch wird die Kennlinie parallel zu geringen Drehzahlen hin verschoben, sodass sie die Momentenachse in einem Bereich auĂerhalb der Ăberlast schneidet. Das Anlaufmoment sowie der Ankerstrom im Stillstand sind dann begrenzt. Zusammen mit der folgenden Erhöhung der Antriebsdrehzahl kann auch die Spannung erhöht werden. Alternativ können zum Anfahren VorwiderstĂ€nde im Ankerkreis verwendet werden; dadurch wird die Kennlinie flacher, sodass sie wiederum die Achse in einem Bereich auĂerhalb der Ăberlast schneidet. Der Nachteil dieser Methode ist die Verlustleistung am Widerstand, dieser muss dann gegebenenfalls aktiv gekĂŒhlt werden.
Verbundmaschine
Der Doppelschlussmotor (auch Verbund- oder Compound-Motor genannt) vereinigt die Eigenschaften des Neben- und des Reihenschlussmotors in einer Maschine. Er hat eine Reihenschluss- und eine Nebenschlusswicklung. Je nach Auslegung hat der Doppelschlussmotor unterschiedliches Betriebsverhalten. Bei richtiger Compoundierung hat er ein etwas geringeres Anzugsdrehmoment als ein gleichwertiger Reihenschlussmotor. Seine Drehzahl sinkt dann bei Belastung etwas mehr ab als die eines entsprechenden Nebenschlussmotors. Bei Leerlauf geht er nicht durch. Wird der Doppelschlussmotor ĂŒberkompoundiert, so hat er vorwiegend Reihenschlussverhalten, also ein hohes Anzugsmoment, aber eine instabile Drehzahl. Bei Unterkompoundierung hat er ĂŒberwiegend Nebenschlussverhalten, also hohe DrehzahlstabilitĂ€t, aber geringeres Anzugsmoment. Der Doppelschlussmotor wird wegen seines gleichen Drehzahl-Drehmoment-Verhaltens zum Antrieb z. B. von Pressen und Stanzen verwendet.
Fremderregte Maschine
Hier werden Anker- und Erregerwicklung aus zwei unterschiedlichen und getrennt voneinander einstellbaren Gleichstromstellern gespeist. WĂ€hrend bei der Nebenschlussmaschine die Erregerspannung gleich der Ankerspannung ist, kann man bei fremderregten Maschinen durch Verringerung des Erregerstroms, man spricht in diesem Fall auch von einer FeldschwĂ€chung des magnetischen Flusses Ί, die Drehzahl n ĂŒber die Nenndrehzahl nN hinaus steigern. Im rechten Diagramm entspricht dies dem Bereich mit n/nN gröĂer als 1. Dabei kommt es gleichzeitig zu einer Reduktion des Drehmoments M. Andererseits kann bei der fremderregten Maschine die Ankerspannung UA unabhĂ€ngig vom Erregerstrom abgesenkt werden. Dadurch kommt es bei konstantem Drehmoment zu einer Leistungsabsenkung und gleichzeitiger Drehzahlreduktion.
Durch die getrennte Regel- bzw. Steuerbarkeit der Anker- und Erregerwicklungen lassen sich verschiedene Betriebspunkte unterhalb der rot gestrichelten Drehmomentkennlinie durch die Art der Ansteuerung erzielen. Vorteile wie hohes Drehmoment bei Stillstand oder geringen Drehzahlen sind gegeben. Daher spielten insbesondere fremderregte Gleichstrommaschinen im Bereich von hochdynamischen Antriebssystemen, beispielsweise bei Werkzeugmaschinen oder elektrischen StadtschnellbahntriebzĂŒgen wie der DB-Baureihe 420 bis in die 1980er Jahre hinein eine bedeutende Rolle. Gleichstrommaschinen wurden in den Folgejahren in diesen Anwendungsbereichen zunehmend durch Drehstrommaschinen mit vorgeschalteten elektronischen Frequenzumrichtern abgelöst, die in Kombination die gleichen Vorteile fĂŒr hochdynamische Antriebe bei geringerem Wartungsaufwand bieten.
Fremderregte Gleichstrommaschinen wurden frĂŒher auch im Leonardsatz eingesetzt, dem frĂŒher einzigen drehzahlvariablen Antrieb fĂŒr groĂe Leistungen, der aus einem Drehstrom-Asynchronmotor, einem jeweils fremderregten Gleichstrom-Generator und einem Gleichstrommotor bestand.
Spezielle Bauformen
Glockenanker-Maschinen
Kleine Maschinen bis etwa 100 Watt mit Permanentmagneten können auch mit einem hohlen Rotor gebaut werden. Der Rotor ist eisenlos, selbsttragend gewickelt und kunstharzgetrÀnkt.
Der Stator, ein Permanentmagnet, liegt in diesem Fall innerhalb des Rotors. Das auĂenliegende MotorgehĂ€use aus Eisen bildet den notwendigen RĂŒckschluss fĂŒr den magnetischen Fluss des Stators. Der elektrische Aufbau entspricht der ersten Illustration.
Durch den eisenlosen Aufbau des Rotors bildet der Motor kein Rastmoment aus, er lÀsst sich vollkommen frei drehen.
Da im Gegensatz zu allen anderen Motoren im Betrieb keine Eisenteile ummagnetisiert werden mĂŒssen, ist dieser Motor frei von Eisenverlusten und erreicht bei hohen Drehzahlen höhere Wirkungsgrade. Insbesondere ist jedoch sein Rotations-TrĂ€gheitsmoment geringer, weshalb damit hochdynamische, leichte Antriebe realisiert werden können. Mit Glockenankermotor ausgerĂŒstete Modellbahnfahrzeuge zeichnen sich durch ruckfreien Lauf und gute Langsamfahreigenschaften aus.
Nachteilig ist der groĂe Luftspalt im Erregerkreis, der eine verringerte Magnetflussdichte zur Folge hat. Die selbsttragende Bauweise stellt hohe technologische Anforderungen, da die FliehkrĂ€fte aufgenommen werden mĂŒssen und ein nachtrĂ€gliches Auswuchten des Ankers durch Materialabtrag nicht möglich ist. Nötige StoĂfestigkeit limitiert die AnkergröĂe.
ScheibenlÀufermotoren
Beim ScheibenlĂ€ufermotor ist der Rotor eine dĂŒnne Scheibe, die in einem parallel zur Achse verlaufenden Magnetfeld dreht. Es gibt diese Variante mit permanentem Statormagnetfeld und Kommutator, aber auch als bĂŒrstenlosen Motor. Wegen der vergleichsweise niedrigen Masse hat der Rotor eine geringe MassentrĂ€gheit, wodurch der Motor fĂŒr dynamische Anwendungen geeignet ist.
BĂŒrstenlose Gleichstrom-Maschine
â Hauptartikel: BĂŒrstenloser Gleichstrommotor
Nachteil der Gleichstrommaschinen sind Funken, die bei den BĂŒrsten entstehen (âBĂŒrstenfeuerâ). Das BĂŒrstenfeuer ist die Hauptursache fĂŒr hochfrequente Störungen, die der Motor im Betrieb in das Leitungsnetz zurĂŒckspeist und die andere elektrische Verbraucher stören. Es begrenzt auch die maximale Drehgeschwindigkeit, da die BĂŒrsten bei hohen Drehzahlen heiĂ werden und besonders schnell verschleiĂen. Weiterhin bewirken hohe Drehzahlen auch höhere Induktionsspannungen, die bis hin zum umlaufenden BĂŒrstenfeuer fĂŒhren können.
Mit der Entwicklung der Elektronik können kleinere permanenterregte Synchronmotoren so betrieben werden, dass sie von auĂen Ă€hnlich beschrieben werden können wie eine Gleichstrommaschine.cite-ref-ec-1-1[1] Diese Motoren mit Elektronik-Umrichter wurden besonders im englischen Sprachraum als brushless direct current (BLDC) beworben, auf Deutsch ĂŒbersetzt bĂŒrstenlose Gleichstrommaschine. Die Maschine wird auch als EC-Motor (EC fĂŒr electronically commutated) bezeichnet. Vom Aufbau her sind diese Motoren ungedĂ€mpften permanenterregten Synchronmaschinen gleich und können in Anwendungen, die eine genĂŒgende EigendĂ€mpfung haben, auch als Synchronmaschine angesteuert werden.cite-ref-4[4]
Spezielle Effekte
AnkerrĂŒckwirkung
Da der Anker stromdurchflossen ist, bildet sich auch um diesen ein magnetisches Feld. Dieses verstĂ€rkt das Hauptfeld auf der einen Seite des Leiters und schwĂ€cht es auf der anderen. Insgesamt fĂŒhrt dies dazu, dass sich der neutrale Bereich, in dem die Polung des Stromes umgeschaltet werden muss, etwas verspĂ€tet, d. h. im Generatorbetrieb in Drehrichtung und im Motorbetrieb gegen die Drehrichtung verschiebt. Da sich jedoch der Kommutator nicht anpasst (also stets senkrecht zu den Polschuhen umschaltet und nicht senkrecht zu den âeffektivenâ Feldlinien), liegt zu dem Zeitpunkt des Umschaltens (Kommutierung) noch eine Induktionsspannung an den KohlebĂŒrsten an, und es kommt zur Funkenbildung, dem BĂŒrstenfeuer. In Anlagen, die ein gleichmĂ€Ăiges Drehmoment verlangen und nur in einer Laufrichtung betrieben werden (z. B. starke LĂŒfter), kann das BĂŒrstenfeuer verringert werden, indem der BĂŒrstentrĂ€ger leicht verdreht montiert wird und dann im Betriebszustand doch senkrecht zu den effektiven Feldlinien umschaltet. Dies erfordert jedoch eine Justierung im Betrieb und wird heute aus KostengrĂŒnden kaum noch durchgefĂŒhrt. Stattdessen werden in groĂen Maschinen Wendepolwicklungen und Kompensationswicklungen eingesetzt, die die Feldlinien gleichsam in die ideale Lage âzurĂŒckbiegenâ.
Gegenspannung
Der Anker dreht sich im Motor innerhalb des Statorfeldes. Nach dem Generatorprinzip wird so in dessen Spulen auch bei Motorbetrieb eine Spannung induziert. Diese induzierte Spannung ist wie die Betriebsspannung gepolt und wirkt daher dem Rotorstrom entgegen. Sie wird Gegenspannung genannt. Sie ist ein wichtiger Parameter von Motoren, mit ihrer Hilfe lÀsst sich in etwa die Leerlaufdrehzahl permanenterregter Motoren bestimmen.
Der Ankerstrom fĂŒhrt zu einem ohmschen Spannungsabfall am Ankerwiderstand (Kupfer), dieser Spannungsabfall steigt somit mit der Belastung des Motors (steigende Stromaufnahme) an und bewirkt bei Motoren einen Abfall der Drehzahl. Bei groĂen fremderregten Motoren ist dieser DrehzahlrĂŒckgang sehr gering.
Die Gegen-EMK ist streng linear abhÀngig von der Drehzahl des Ankers und der StÀrke der Erregung. Die Gegen-EMK kann von Regelschaltungen genutzt werden, um die Drehzahl permanenterregter Motoren exakt zu stabilisieren; dies wurde z. B. bei Kassetten-TonbandgerÀten angewendet.
Die Gegen-EMK macht bei Umkehr der Stromrichtung (Klemmenspannung < EMK) aus dem Motor einen Generator, sie kann zur Bremsung und zur EnergierĂŒckspeisung (Nutzbremsung) dienen.
Bei Motorstillstand gibt es keine Gegenspannung. Deshalb haben fremd- und permanenterregte Gleichstrommotoren einen hohen Einschaltstrom â der Widerstand der Rotorspulen ist vergleichsweise klein und somit der Strom im Moment des Einschaltens sehr groĂ.
Ohne Begrenzung des Anlaufstromes werden groĂe Motoren oder das speisende Netz eventuell ĂŒberlastet, man verwendet daher in Reihe zum Anker AnlasswiderstĂ€nde, die nach dem Hochlaufen stufenweise kurzgeschlossen werden.
Auch die Reihenschlussmotoren von StraĂenbahnen wurden frĂŒher ĂŒber Fahrschalter (Stufenwiderstand) angefahren, heute wird dies verlustĂ€rmer ĂŒber Schaltregler (Chopperbetrieb) erreicht.
Bei Elektrolokomotiven verwendete man Transformatoren mit Stufenschaltern, an denen sich kleinere Stelltransformatoren von Stufe zu Stufe âhangeltenâ. Auch hier verwendet man heute stattdessen Leistungselektronik (IGBT-Schalter).
Physikalisches Modell
Unter Vorgabe des Verbraucher-ZĂ€hlpfeil-Systems (wie z. B. beim Ohmschen Gesetz vorausgesetzt) gilt
L A d i A ( t ) d t = â â R A i A ( t ) â â U i n d + U A (1) {\displaystyle L_{A}{\frac {\mathrm {d} i_{A}(t)}{\mathrm {d} t}}=-R_{A}\ i_{A}(t)-U_{\mathrm {ind} }+U_{A}\qquad {\text{(1)}}}
Setzt man den Strom als zeitlich konstant voraus d i A ( t ) d t = 0 {\displaystyle {\tfrac {\mathrm {d} i_{A}(t)}{\mathrm {d} t}}=0} , folgt
0 = â â R A â
â
i A â â U i n d + U A bzw. U A = R A â
â
i A + U i n d {\displaystyle 0=-R_{A}\cdot i_{A}-U_{\mathrm {ind} }+U_{A}\quad {\text{bzw.}}\quad U_{A}=R_{A}\cdot i_{A}+U_{\mathrm {ind} }}
BerĂŒcksichtigt man zusĂ€tzlich das Induktionsgesetz, wird daraus
U A = R A â
â
i A + k 2 â
â
Ï Ï â
â
2 Ï Ï n (1a) {\displaystyle U_{A}=R_{A}\cdot i_{A}+k_{2}\cdot \phi \cdot 2\pi n\qquad {\text{(1a)}}}
Diese Gleichung lÀsst sich wie folgt deuten:
FĂŒr konstantes U A {\displaystyle U_{A}} und dem in der Praxis kleinen R A {\displaystyle R_{A}} ist die induzierte Spannung U i n d {\displaystyle U_{\mathrm {ind} }} unwesentlich kleiner als U A {\displaystyle U_{A}} . Damit ist bei konstantem Fluss Ï Ï {\displaystyle \phi \,} n ungefĂ€hr proportional der Ankerspannung. Im Bereich â â U n e n n < U A < U n e n n {\displaystyle -U_{\mathrm {nenn} }<U_{A}<U_{\mathrm {nenn} }} ist damit die Drehzahl ĂŒber die Ankerspannung steuerbar. Man spricht vom Ankerstellbereich. FĂŒr den Fall U A = U n e n n {\displaystyle U_{A}=U_{\mathrm {nenn} }} und n = n n e n n {\displaystyle n=n_{\mathrm {nenn} }} spricht man vom Typenpunkt. Oberhalb des Typenpunktes ist bei konstanter Ankerspannung U A {\displaystyle U_{A}} eine Drehzahlsteigerung durch eine Verringerung des magnetischen Flusses Ï Ï {\displaystyle \phi \,} ĂŒber eine Verringerung des Erregerstromes möglich (FeldschwĂ€chbereich). Hierbei sind jedoch einige Randbedingungen zu beachten. Die Drehzahl darf einen zugelassenen Maximalwert nicht ĂŒberschreiten. Wegen der Wirkung der Lorentzkraft gilt M = k 1 â
â
Ï Ï â
â
I A {\displaystyle M=k_{1}\cdot \phi \cdot I_{A}} und folglich wird das zulĂ€ssige Drehmoment M proportional mit Ï Ï {\displaystyle \phi \,} kleiner.
L E d i E d t = â â R E i E + u E (2) {\displaystyle L_{E}{\frac {\mathrm {d} i_{E}}{\mathrm {d} t}}=-R_{E}\ i_{E}+u_{E}\qquad {\text{(2)}}}
u i n d = c A â
â
Ï Ï E â
â
Ï Ï {\displaystyle u_{\mathrm {ind} }=c_{A}\cdot \psi _{E}\cdot \omega }
Ï Ï E = 1 N E L E i E {\displaystyle \psi _{E}={\frac {1}{N_{E}}}L_{E}\ i_{E}}
Darin ist
i A {\displaystyle i_{A}\,} der Ankerstrom, u A {\displaystyle u_{A}\,} die Ankerspannung, R A {\displaystyle R_{A}\,} der Wicklungswiderstand, L A {\displaystyle L_{A}\,} die InduktivitĂ€t der Ankerwicklung, u E {\displaystyle u_{E}\,} die Erregerspannung, i E {\displaystyle i_{E}\ } der Erregerstrom, der Wicklungswiderstand R E {\displaystyle R_{E}\ } und die InduktivitĂ€t L E {\displaystyle L_{E}\,} der Erregerwicklung, Ï Ï {\displaystyle \omega \,} die Winkelgeschwindigkeit des Rotors, u i n d {\displaystyle u_{\mathrm {ind} }\ } die im Anker induzierte Spannung, Ï Ï E {\displaystyle \psi _{E}\ } der Erregerfluss, Ï Ï {\displaystyle \phi \,} der Luftspaltfluss, n {\displaystyle n\,} die Drehzahl, M {\displaystyle M\,} das Drehmoment, k 1 {\displaystyle k_{1}\,} und k 2 {\displaystyle k_{2}\,} je eine Maschinenkonstante.
Die Gleichungen des mechanischen Systems mit der Annahme, dass der Erregerkreis nicht gesÀttigt ist:
d α α d t = Ï Ï (3) {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} \alpha }{dt}}=\omega \qquad {\text{(3)}}}
J d Ï Ï d t = c A Ï Ï E i A â â Ï Ï L (4) {\displaystyle J{\frac {\mathrm {d} \omega }{dt}}=c_{A}\ \psi _{E}\ i_{A}-\tau _{L}\qquad {\text{(4)}}}
Darin ist
N E {\displaystyle N_{E}\,} â die Anzahl der Windungen der Erregerwicklung, J {\displaystyle J\,} das MassentrĂ€gheitsmoment des Ankers und aller damit starr verbundenen Massen, α α {\displaystyle \alpha \,} der Drehwinkel des Ankers, Ï Ï {\displaystyle \omega \,} die Winkelgeschwindigkeit des Ankers, Ï Ï L {\displaystyle \tau _{L}\,} die Summe aller Lastmomente am Anker. c A {\displaystyle c_{A}\,} bezeichnet die sog. Maschinenkonstante.
Einige Gleichungen anders angeschrieben:
U A = I A â
â
R A + L A â
â
d I A d t + U q {\displaystyle U_{A}=I_{A}\cdot R_{A}+L_{A}\cdot {\frac {dI_{A}}{dt}}+U_{q}}
U E = I E â
â
R E + L E â
â
d I E d t {\displaystyle U_{E}=I_{E}\cdot R_{E}+L_{E}\cdot {\frac {dI_{E}}{dt}}}
U q = c â
â
n â
â
Ί Ί ( I E ) {\displaystyle U_{q}=c\cdot n\cdot \Phi (I_{E})}
dabei ist:
U A {\displaystyle U_{A}\,} : Ankerspannung
U E {\displaystyle U_{E}\,} : Erregerspannung
U q {\displaystyle U_{q}\,} : induzierte Spannung
c {\displaystyle c} : Maschinenkonstante
Ί Ί {\displaystyle \Phi } : magnetischer Fluss des Hauptfeldes
Literatur
âą Rolf Fischer: Elektrische Maschinen. 14. Auflage. Hanser, 2009, ISBN 978-3-446-41754-0.
âą Hans Otto Seinsch: Grundlagen elektrische Maschinen und Antriebe. Teubner, 1999, ISBN 3-519-06164-3.
⹠Klaus Fuest, Peter Döring: Elektrische Maschinen und Antriebe. 6. Auflage. Vieweg, 2004, ISBN 3-528-54076-1.
Weblinks
âą walter-fendt.de Animiertes Modell zum Prinzip des Elektromotors
âą walter-fendt.de Animiertes Modell zum Prinzip des Generators
âą Interaktive Darstellung des Kennlinie fremderregter Gleichstrommaschinen. In: GeoGebra. Abgerufen am 26. August 2021
Einzelnachweise
cite-note-ec-11. â Heute gibt es auch bĂŒrstenlose oder EC-Motoren mit elektronischem Kommutator (EC).
cite-note-fis1-22. â Rolf Fischer: Elektrische Maschinen. 14. Auflage. Hanser, 2009, ISBN 978-3-446-41754-0, S. 32 bis 33.
cite-note-33. â GROSCHOPP AG Drives & More: Elektromotoren - Langlebig, leistungsstark und zuverlĂ€ssig. In: https://www.groschopp.de/de/elektromotoren. GROSCHOPP AG Drives & More, abgerufen am 29. Februar 2024.
cite-note-44. â Patentanmeldung DE10102235A1: BĂŒrstenlose Gleichstrommaschine. Angemeldet am 19. Januar 2001, veröffentlicht am 14. August 2002, Anmelder: Robert Bosch GmbH, Erfinder: Martin-Peter Bolz.â